Droht Krankenhäusern das Aus?

Die stationäre Patientenversorgung in Deutschland

Die 2.045 Krankenhäuser versorgen jährlich 18,3 Millionen stationäre Patienten und 18 Millionen ambulante Behandlungsfälle. Die Krankenhäuser leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Behandlung von Patienten in unserem Gesundheitswesen.

Mit ihrer Vielfalt an unterschiedlichen Trägern und mit wohnortnahen Standorten bieten sie flächendeckend eine hochwertige Medizin für alle Patienten.

Wachstumsmarkt Gesundheitswesen

In Deutschland werden die Patienten der 2.045 Krankenhäuser von 1,1 Millionen Beschäftigten behandelt. Die deutschen Krankenhäuser sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Wachstumsmarkt Gesundheitswesen. In vielen Regionen – so auch in Bad Rothenfelde - ist das Gesundheitswesen der größte Arbeitgeber.

Vergütung der Krankenhausleistungen

Krankenhausleistungen werden seit Jahren nur noch mit Durchschnittspreisen, den sogenannten „Fallpauschalen“ vergütet. Diese setzen sich aus zwei Komponenten zusammen:

1. Auf Bundesebene wird eine „Fallschwere“ ermittelt, die den durchschnittlichen Aufwand einer Behandlung vorgibt.
2. Auf Landesebene wird der „Landesbasisfallwert“ ermittelt. Dieser Wert drückt den „Durchschnittspreis“ über alle Leistungen aus. Jedoch wird der Durchschnittspreis pro Behandlung durch ein bestehendes Gesetz mit einer Höchstgrenze „gedeckelt“.

Die Krankenkassen sind angehalten, für die Behandlung ihrer Patienten nicht mehr als im Vorjahr zuzüglich einer unzureichenden Steigerungsrate auszugeben. Diese Steigerungsrate berücksichtigt nicht die tatsächlichen Kosten der Krankenhäuser. Das hat zur Folge, dass die erbrachten Leistungen nicht angemessen bezahlt werden.
Die Vergütungen der Krankenhäuser werden zudem reduziert, wenn mehr Leistungen erbracht werden als im Vorjahr. Suchen also mehr Patienten als im Vorjahr ein Krankenhaus auf, sinkt der „Preis pro Leistung“ (Landesbasisfallwert), das bedeutet einen Abzug in der Refinanzierung der Krankenhäuser. Bei einem Personalkostenanteil von mehr als Zwei Drittel an den Gesamtbudgets der Krankenhäuser bedeutet dies, dass das Personal immer mehr Patienten behandeln muss, damit die Krankenhäuser weiter mit dem Geld auskommen können.

„Mehrfälle“ werden zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen vereinbart. Für die vereinbarten „Mehrfälle“ müssen die Krankenhäuser den Krankenkassen dann noch einmal einen Rabatt in Höhe von 25% auf die Vergütung einräumen.
Den Krankenhäusern wird so zweifach das Geld entzogen: einmal direkt über den Abschlag für die vereinbarten Mehrleistungen und dann noch einmal über den abgesenkten Landesbasisfallwert.

Die häufig als Vorwurf formulierte Aussage, die Krankenhäuser bekämen jährlich mehr Geld, ist vor diesem Hintergrund nur die halbe Wahrheit. Die Krankenhäuser behandeln Jahr für Jahr mehr zusätzliche Patienten, als mit dem zusätzlichen Geld vergütet wird. Die wirtschaftliche Situation der meisten Krankenhäuser ist daher höchst problematisch. Die zu niedrige Vergütung ermöglicht es einem „durchschnittlichen“ Krankenhaus nicht mehr, seine Kosten zu decken. Die Sicherstellung der bislang qualitativ hochwertigen, vollstationären Patientenversorgung wird immer schwieriger. Um stärker Kosten zu sparen, müssten die Krankenhäuser Mitarbeiter in großem Umfang entlassen. Diesen Weg wollen die Krankenhäuser nicht gehen, da die Mitarbeiter bereits jetzt in weiten Bereichen an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten. Auch im Interesse der Patientenversorgung ist eine weitere Arbeitsverdichtung nicht mehr zu vertreten.

Neben dieser massiven Unterfinanzierung der Patientenversorgung gibt es ein zweites großes Problem bei der Krankenhausfinanzierung in Niedersachsen.
Die einzelnen Bundesländer haben die Verpflichtung, für eine ausreichende Ausstattung der Krankenhäuser mit finanziellen Mitteln für Bau und Erhalt der Substanz der Krankenhäuser zu sorgen. Dieser Verpflichtung kommt Niedersachsen nicht ausreichend nach. Der momentane Investitionsstau beträgt rund 1 Mrd. Euro.

Zur wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser in Niedersachsen

Die Krankenhäuser in Niedersachsen stehen für 90.000 Menschen, die in rund 195 Krankenhäusern aller Größen, Versorgungsstufen und Fachrichtungen quer über das Flächenland Niedersachen Tag und Nacht, auch an Sonn- und Feiertagen, kranken Menschen und Unfallopfern helfen sowie die Geburt neuer Erdenbürger betreuen – allein im letzten Jahr in gut 1.700.000 Fällen.
Die wirtschaftliche Situation von niedersächsischen Krankenhäusern ist höchst problematisch. Aktuelle Umfragen belegen, dass mittlerweile der größte Teil der Krankenhäuser in Niedersachsen rote Zahlen schreibt. Für das Jahr 2013 drohen mehr als 2 Dritteln (77,02%) der Krankenhäuser Verluste.
Für das Jahr 2013 ist mit einem weiteren Anstieg der Personal- und Sachkosten in Höhe von mehr als vier Prozent zu rechnen. Dafür verantwortlich sind neben allgemeinen Kostensteigerungen maßgeblich die berechtigten Tariferhöhungen sowie steigende Energiekosten und Versicherungsprämien.

Der durchschnittliche Preis für Krankenhausleistungen kann aufgrund einer gesetzlich vorgegebenen Deckelung in 2013 nur um maximal zwei Prozent steigen. Danach werden 100 Mio. Euro der laufenden Betriebskosten nicht refinanziert!

Hinzu kommt, dass der Bundesgesetzgeber festgelegt hat, dass Krankenhäuser den Krankenkassen „Sonderrabatte“ für zusätzlich behandelte Patienten (sogenannter Mehrleistungsabschlag) einräumen müssen. Es wird befürchtet, dass weitere 1% an Refinanzierungsmöglichkeiten fehlen werden, somit ca. weitere 50 Mio. Euro.

Zusammen gerechnet steigt die Finanzierungslücke im Jahr 2013 auf aktuelle 150 Mio. Euro. Diese Summe entspricht den Personalkosten von 2.700 Mitarbeitern (Vollbeschäftigten) in niedersächsischen Krankenhäusern.
Da die gesetzlich vorgegebene Deckelung des Landesbasisfallwertes nach wie vor eine realistische Refinanzierung der jährlichen Kostensteigerungen verbietet, haben sich die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft und die Krankenkassen für das Jahr 2013 auf den Landesbasisfallwert von 3.026,37 Euro geeinigt. Tatsächlich liegt der Bundesbasisfallwert jedoch bei 3.068 Euro.
Auch die Entlastungen durch das aktuell im Juli verabschiedete Gesetz verschafft nur zu einem kleinen Teil Entlastung und diese auch nur einmalig und nicht dauerhaft.

Damit wird die Sicherstellung einer (bislang) qualitativ hochwertigen, vollstationären Patientenversorgung aufgrund der zunehmenden Unterfinanzierung für die niedersächsischen Krankenhäuser extrem schwierig.
Der daraus resultierende immer größer werdende wirtschaftliche Druck belastet sowohl die Beschäftigten als auch die Patienten.

Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft e.V. (NKG) ist der Zusammenschluss aller 194 Krankenhäuser in Niedersachsen
mit etwa 42.300 Betten. Die niedersächsischen Krankenhäuser erbringen das gesamte Leistungsspektrum der stationären
medizinischen und pflegerischen Versorgung.

Über 1,7 Millionen Patienten werden pro Jahr in den niedersächsischen Krankenhäusern umfassend behandelt.

Die Einrichtungen sind zugleich einer der bedeutendsten Arbeitgeber Niedersachsens. Über 90.000 Mitarbeiter der verschiedensten Berufe beziehen ihr Einkommen von den in der NKG zusammengeschlossenen Krankenhäusern.

Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft e.V. (NKG) ist der Zusammenschluss aller 194 Krankenhäuser in Niedersachsen mit etwa 42.300 Betten. Die niedersächsischen Krankenhäuser erbringen das gesamte Leistungsspektrum der stationären medizinischen und pflegerischen Versorgung.
Über 1,7 Millionen Patienten werden pro Jahr in den niedersächsischen Krankenhäusern umfassend behandelt. Die Einrichtungen sind zugleich einer der bedeutendsten Arbeitgeber Niedersachsens. Über 90.000 Mitarbeiter der verschiedensten Berufe beziehen ihr Einkommen von den in der NKG zusammengeschlossenen Krankenhäusern.